YOGAGEFÜHL vs. Leistungsdruck – Ein Weg zum Ziel

YOGAGEFÜHL vs. Leistungsdruck – Ein Weg zum Ziel

In diesem Beitrag wird ein ganz persönliches Erlebnis beschrieben und reflektiert. Bereits vorhandene Erkenntnisse werden mit neuen Erkenntnissen verknüpft. Es geht um Ziele, Leistungsdruck und Yogagefühl ... und das morgendliche Laufen als Start in den Tag.

Ich war heute Morgen laufen. Das ist nichts Ungewöhnliches. Ich mache es ja zwei mal die Woche, wenn ich es schaffe auch ein drittes mal. Normalerweise lauf ich meine 30 Minuten oder 5km (das sind meist etwas mehr als 30 Minuten). Ich freue mich dann, dass ich diese geschafft habe und komme angenehm entspannt und ausgepowert nach Hause... Selten schaffe ich auch 35 Minuten und manchmal auch nur 25.

Aber heute Morgen war es anders, neu, das gab’s noch nie! Selbst nach 35 Minuten hatte ich immer noch richtig viel Energie, Elan, Motivation, um weiterzulaufen... das war neu! Ich war nie eine große Läuferin. Zu Schulzeiten, wäre ich am Liebsten krank zu Hause geblieben, wenn es im Sportunterricht „Langstreckenlauf" hieß! Eine Sportbefreiung wäre da auch was Feines gewesen.

Während ich dann so lief und darüber nachdachte, warum ich ausgerechnet heute zu so viel Energie komme, kam mir der leckere Kaffee mit Kokosöl und Mandelmilch in den Sinn: Unbedingt ausprobieren! Alles in den Mixer und lecker schaumig schlagen. Den gab’s zur Abwechslung mal vor dem Laufen – statt wie üblich nur ein großes Glas Wasser. Dann überlegte ich, ob es die frisch gewaschenen Laufschuhe sind – das musste vor zwei Tagen echt mal sein! Aber es war nicht das erste Mal, dass ich den Kaffee vor dem Laufen trank. Naja und die gewaschenen Laufschuhe 😉 ...

Zwischen Linden, Buchen und Eichen, grünem Gras und recht feuchter aber frischer Luft philosophierte ich weiter, warum es ausgerechnet heute so klappt ... Ich stellte mir die Frage, ob ich mich hier gerade selbst unter Leistungsdruck setze, indem ich meiner Energie folge und einfach weiter laufe... Vor allem, weil ich in meinem Kopf schon Ziele suchte: 45 Minuten wäre eine nette Zeit, auf die ich richtig stolz sein würde, auch die 60 Minuten oder sogar 10 km ploppten in meinem Kopf als Gedankenblasen auf...

Doch Leistungsdruck ist ja so gar nicht Meins. Was meine körperliche Leistungsfähigkeit angeht, bin ich ein sehr geduldiger Mensch – durch Yoga mehr denn je und dafür bin ich sehr dankbar. Was früher zu Schulzeiten eher Unlust oder tatsächlich Faulheit war, ist heute umgeschlagen in „ Ich fordere meinen Körper nur soweit heraus wie er bereit ist zu geben.“ Trotzdem frage ich mich dann doch manchmal, ob mich das einschränkt, weil mein Körper vielleicht noch mehr kann und ich ihn einfach nicht lasse, weil da immer noch etwas Unlust von einem früheren „Ich“ in mir ist.

Ich behaupte, dass sich heute dieser Zwiespalt endlich in mir aufgelöst hat. Wenn ich mir heute Morgen vorgenommen hätte eine Stunde Laufen zu gehen, hätte ich mich unter Druck gesetzt – unter Leistungsdruck.
Ich wäre unter Umständen gar nicht aus dem Bett gekommen. Das Ziel hätte mich demotiviert. Oder ich wäre losgelaufen ohne Einklang von Körper und Geist. Mein Ego hätte meinen Körper so lange getriezt, bis ich voller Erschöpfung den 10. Kilometer geschafft habe, um dann den Rest des Tages zu schlafen, um die Belastung wieder auszugleichen. Aber das bin ich nicht. Ich setze mir keine Ziele, die ich dann nur mit aller Gewalt umsetzen kann. Ich setze mir realistische Ziele und gehe den Weg Stück für Stück. So wie ich es in jedem einzelnen Moment in der Lage bin zu tun.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es falsch oder schlecht ist, sich große Ziele zu setzen. Doch fördert das Erreichen realistischer Zwischenziele ein gutes Gefühl, positive Gedanken und positive Energie, die wiederum den Weg zum großen Ziel unheimlich erleichtern. Sei es eine Vorübung für den Chaturanga Dandasana im Yoga bevor ich mich an die eigentliche Asana wage oder kontinuierlich 30 Minuten zu laufen, um dann im richtigen Moment zu erkennen, dass ich noch so viel mehr schaffen kann und dann das Erlebnis auszukosten. Ich finde so lange es sich gut anfühlt und wir nicht getrieben vom eigenen Ego etwas hinterherjagen, ist es der richtige Weg zum Ziel 🙂

In meiner Yogapraxis ist mir das sehr oft, insbesondere beim Üben einzelner Asanas sehr bewusst. Beim Laufen hatte ich das bisher nicht bewusst erlebt. Es war so unheimlich toll, die Energie zu fühlen, immer weiter zu laufen und so viele positive Gedanken und Gefühle wahrzunehmen – JA ich glaube man nennt es auch Runner’s High 😉 - Für mich ist es Teil meines YOGAGEFÜHLs, denn ich habe für mich heute Morgen einmal mehr erlebt, was ich bisher nur aus meiner Yogapraxis kannte. In dem Moment wo Körper und Geist in Einklang sind und der Geist das nutzt was der Körper fähig ist zu geben, entsteht positive Energie, die uns nie da gewesene Ziele erreichen lässt.

Nachdem ich ein Gefühl des Schwebens auf dem Nachhauseweg erleben durfte, genieße ich gerade immer noch das angenehme Kribbeln in meinen Füßen.

Namasté Doris